Amazon: Neuausrichtung auf Konserven

Nach einer ersten Stellungnahme zur Verbannung bestimmter Kunden hat sich Amazon nun gegenüber Analysten zur weiteren Geschäftsstrategie geäußert. Demnach will sich der weltweit größte Online-Händler in Deutschland wieder verstärkt auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Gerüchte, Amazon wolle nur noch Bücher selbst verkaufen und ansonsten Drittanbietern das Feld überlassen, entsprächen allerdings nicht der Wahrheit. Vielmehr sehe man im Lebensmittelbereich große Wachstumschancen und möchte besonders das Angebot an Konserven stark ausbauen. Die Kunden sollen weiterhin mit einer freiwilligen 30tägigen Rückgabegarantie überzeugt werden. Innerhalb dieser Zeit könnten die Konservendosen zuhause in Ruhe von außen betrachtet werden.

Von der Neuausrichtung erhofft sich Amazon deutliche Kostensenkungen. Missbräuchliche Retouren möchte man in Zukunft automatisch anhand des Gewichts identifizieren. Auch beim Verpackungsmaterial soll gespart werden: dieses sei überflüssig, die robusten Dosen ließen sich problemlos einzeln ohne Umverpackung versenden. Die Kunden wären mittlerweile daran gewöhnt, eine Bestellung in zahlreichen Einzelpaketen zu erhalten.

Nur rücksichtslose Raser haben etwas zu verbergen

3.606 Menschen sind letztes Jahr in Deutschland im Straßenverkehr gestorben. Tote durch Terroranschläge gab es im gleichen Zeitraum keine. Dies beweist: Die Geheimdienste leisten ganze Arbeit, die umfassende Überwachung des Internets und der weltweiten Kommunikation rettet Menschenleben. Angesichts dieses Erfolgs kann ich den ehemaligen Bundesinnenminister Schily verstehen, wenn er sagt, die Furcht vor dem Staat trage “teilweise wahnhafte Züge”. Der Staat meint es schließlich nur gut mit uns und liebt doch alle Menschen.

Höchste Zeit also, die Totalüberwachung auch auf den tödlichen Straßenverkehr auszudehnen. Ihr Auto erfasst bereits heute zahlreiche Daten, die zur Rekonstruktion von Unfällen verwendet werden können. Unfälle vermeiden kann eine solche simple Black Box allerdings nicht. Technisch wäre dies keine große Herausforderung: Eine fortschrittlichere Version, nennen wir sie “Verkehrssicherheitsbox” (Pflicht ab 2015, nicht nachrüstbar), müsste nur Ihren Standort bestimmen und die gefahrene Geschwindigkeit mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit vergleichen (das kann jedes bessere Navi). Über das mobile Datennetz könnten Verstöße umgehend gemeldet werden, am besten mit Abbuchung des Bußgelds von Ihrem Konto, automatischer Punkteaktualisierung in Flensburg und – in besonders schweren Fällen – elektronischer Zwangsstilllegung Ihres Fahrzeugs zum Schutz der Allgemeinheit.

Ich weiß, das war schon in “Das fünfte Element” zu sehen und nein, wir bekommen in den nächsten Jahren keine fliegenden Autos, sondern nur den repressiven Teil der Zukunftsvision. Für Sie und mich ist das natürlich kein Problem, wir kennen sämtliche Verkehrsregeln und halten diese überall und jederzeit ein. Widerstand ist nur von rücksichtslosen Rasern zu befürchten, denn nur diese haben etwas zu verbergen.

Der nächste Friedensnobelpreis geht an die Nuklearindustrie

Ohne die Europäische Union wäre es vorbei mit dem Frieden in Europa. Radikale Nationalisten würden an die Macht gelangen, bis zum Ausbruch eines verheerenden Kriegs zwischen den üblichen Verdächtigen Deutschland und Frankreich wäre es nur eine Frage der Zeit.

Konsequenterweise erhält die EU heute den Friedensnobelpreis. Doch was wäre, wenn die EU die schwerste Krise ihrer Geschichte nicht übersteht?

Die schon zu Friedenszeiten fragliche Sicherheit der Atomkraftwerke in den ehemaligen Mitgliedsländern wäre im Kriegsfall kaum zu gewährleisten, die radioaktive Verseuchung Europas und der gesamten nördlichen Hemisphäre wäre die Folge. Daran ändert auch der deutsche Atomausstieg nichts: die Franzosen haben vorausschauend eine Reihe ihrer Reaktoren in direkter Grenznähe gebaut.

Angesichts dieser gesicherten gemeinsamen Vernichtung wird sich der traditionell blutrünstige Wähler auch ohne die EU weiter für den Frieden in Europa entscheiden müssen. Der Friedensnobelpreis 2013 gebührt daher der Nuklearindustrie.