Syrer entlassen, weil er Szene aus Fernsehserie nachspielt

Links das Original aus “Bab al Hara”, einer “der beliebtesten Fernsehserien in der arabischen Welt”, rechts die im Flüchtlingsheim nachgespielte Szene:

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Für einen der Laiendarsteller bedeutete das Video das Aus als “Praktikant” und “Vorzeige-Syrer” beim Rheinneckarblog. In guter deutscher Gründlichkeit wurden auch sämtliche bisherigen Beiträge des Flüchtlings gelöscht. Die Unterstützung bei der weiteren beruflichen Qualifizierung und bei der Wohnungssuche wurde selbstverständlich auch eingestellt.

So schnell kann das gehen in Deutschland. Gerade noch “Vorzeige-Syrer”, jetzt unten durch. Mit einem Ausspruch: “Möge jeder nach meiner Façon glücklich werden, alles andere macht mich komplett fassungslos”.

Update: “Nicht weiterbeschäftigt” statt “entlassen” scheint zutreffender zu sein.

Schockierende Fakten aus Luxemburg

“Den deutschen Medien käme eine Bankenkrise in Luxemburg gerade recht”, sagte ich letzte Woche in einem Gespräch, “dann könnten viele Artikel über Zypern einfach recycled werden. Man müsste nur ‘Inselstaat Zypern’ durch ‘Kleinstaat Luxemburg’ ersetzen”.

Äußerst naiv von mir. Die Medien brauchen gar keine neue Krise, die Artikel werden trotzdem geschrieben:

Ich bin mir sicher, viele der Autoren und besonders viele der kommentierenden Leser waren in ihrem Leben noch nie in Luxemburg (und wenn, dann höchstens zum Tanken, der Tanksektor ist übrigens auch völlig überdimensioniert). Daher hier ein paar interessante Fakten:

Man könnte sich nun einige interessante Fragen stellen, z.B.:

  • Warum können deutsche Banken mit hauptsächlich deutschen Angestellten das Geld deutscher Anleger in Luxemburg besser verwalten als in Deutschland?
  • Warum sollte der Luxemburger Staat, selbst wenn er dies könnte, diese Institute in der nächsten Krise mit luxemburgischem Geld retten?

Man kann aber auch einfach festhalten: Wenn die Luxemburger Finanzinstitute auf breiter Front rettungsbedürftig werden, dann ist der Zusammenbruch des Finanzsystems in Europa ohnehin nicht mehr aufzuhalten.

Frohe Ostern!