Schockierende Fakten aus Luxemburg

“Den deutschen Medien käme eine Bankenkrise in Luxemburg gerade recht”, sagte ich letzte Woche in einem Gespräch, “dann könnten viele Artikel über Zypern einfach recycled werden. Man müsste nur ‘Inselstaat Zypern’ durch ‘Kleinstaat Luxemburg’ ersetzen”.

Äußerst naiv von mir. Die Medien brauchen gar keine neue Krise, die Artikel werden trotzdem geschrieben:

Ich bin mir sicher, viele der Autoren und besonders viele der kommentierenden Leser waren in ihrem Leben noch nie in Luxemburg (und wenn, dann höchstens zum Tanken, der Tanksektor ist übrigens auch völlig überdimensioniert). Daher hier ein paar interessante Fakten:

Man könnte sich nun einige interessante Fragen stellen, z.B.:

  • Warum können deutsche Banken mit hauptsächlich deutschen Angestellten das Geld deutscher Anleger in Luxemburg besser verwalten als in Deutschland?
  • Warum sollte der Luxemburger Staat, selbst wenn er dies könnte, diese Institute in der nächsten Krise mit luxemburgischem Geld retten?

Man kann aber auch einfach festhalten: Wenn die Luxemburger Finanzinstitute auf breiter Front rettungsbedürftig werden, dann ist der Zusammenbruch des Finanzsystems in Europa ohnehin nicht mehr aufzuhalten.

Frohe Ostern!

Zur Abwechslung ein paar gute Nachrichten

Eine nicht enden wollende Krise, das sehr wohl zu Ende gehende Nordseeölverblendete Islamisten und US-Amerikaner: gute Nachrichten sind zur Zeit selten. Es gibt dennoch ein paar Sachen, über die ich mich in den letzten Tagen gefreut habe:

1. Eine Gratispaprika.

2. Das Gratisbuch einer Piraten-Politikerin (illegaler Download hier).

3. Die Kundenmeinungen auf Amazon zu einem anderen Buch.

Das geht in die richtige Richtung. Zudem ist Gemüse gesund.

Wie Luxemburg sein Rentenproblem lösen wollte

Droht Luxemburg wegen zu großzügiger Rentenversprechen in absehbarer Zeit die Überschuldung? Mit dieser Frage sorgte das Handelsblatt letzten Monat für Aufsehen. Der Artikel basierte hauptsächlich auf einer bereits Ende letzten Jahres veröffentlichten Studie der Stiftung Marktwirtschaft (Pressemitteilung als PDF). Darin war Luxemburg im Nachhaltigkeitsranking der 12 Euro-Staaten auf dem vorletzten Platz gelandet.

Nur “eine enorme Steigerung der Beitragszahler” könne die Entwicklung aufhalten, so das Handelsblatt. Davon sei Luxemburg allerdings “weit entfert”. Im Hinblick auf die Zukunft des Landes mag dies stimmen. Der Blick zurück zeigt ein völlig anderes Bild, z.B. anhand der am Mittwoch auf Wort.lu veröffentlichten STATEC-Zahlen:

Die luxemburische Bevölkerung […] stieg vom ersten Januar 1960 bis zum ersten Januar 2012 von 313 050 auf 524 853 Bewohner an und erreicht damit einen sensationellen Wert von 68 Prozent. […] Der Zuwachs hierzulande soll vor allem durch die Immigration bedingt sein.

Ob 1960 schon über die Finanzierbarkeit der Renten diskutiert wurde, kann ich nicht sagen. Doch die Strategie hat sich seitdem nicht geändert. “Von einer Wachstumslogik, die unser Land in Richtung 700.000 Einwohner führen wird”, sprach Jean-Claude Juncker zum ersten Mal im Mai 2000. Was seine Regierung mehr als 10 Jahre später als Pensionsreform vorgelegt hat, konnte das das Luxemburger Journal dennoch “eigentlich” nur als “eine Frechheit” bezeichnen.

Wird Luxemburg in ausländischen Medien erwähnt, dann meist in einem wenig schmeichelhaften Zusammenhang. Eine gewisse Sensibilität gegenüber Kritik aus dem Ausland ist daher verständlich (und sicher gibt es auch an Deutschland mehr als genug zu kritisieren). Das ändert allerdings nichts an dem Problem selbst.

Zum Thema Generationengerechtigkeit siehe auch: baby boomer optical illusion.