Wann haben Sie zuletzt Ihren Versicherungsvertreter rausgeworfen?

“Was sagen Sie da? Mein Haus wird abbrennen, ich werde bei einem Autounfall verletzt werden, wochenlang im Krankenhaus liegen oder gar sterben und meine Familie ohne Absicherung zurücklassen? Sie spinnen ja total, raus mit Ihnen, fliegen Sie doch nach Brasilien!”

Nein, solche Szenen spielen sich vermutlich nicht häufig ab. Versicherungen werden abgeschlossen, weil schlimme Ereignisse eintreten könnten, nicht weil man davon ausgeht, dass sie auf jeden Fall eintreten werden. Man zahlt also für etwas, was man möglichst nie in Anspruch nehmen möchte.

Erstaunlicherweise ist vielen Menschen dieses Denken völlig fremd, wenn es um ganz banale Maßnahmen zur Krisenvorsorge geht. Das Thema kann man so rational ansprechen wie man möchte, man wird trotzdem schnell in eine Ecke mit Spinnern gestellt, die sich mit Waffen und Astronautennahrung in ehemaligen Raketenbunkern in der Wüste verschanzt haben und das Ende der Welt kaum noch erwarten können.

Ich schreibe es hier trotzdem (und danach spreche ich das Thema so schnell nicht mehr an, versprochen): Eine Grundvorrat an Lebensmitteln, Getränken, Medikamenten, etc. ist weitaus sinnvoller als so manche Versicherung. Weitere Informationen und nützliche Checklisten finden Sie z.B. in dieser vom deutschen Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) herausgegebenen Broschüre (PDF) oder in dieser Broschüre des Österreichischen Zivilschutzverbands (PDF).

Selbst wenn Sie keine Parallelen zwischen dem Zustand der EU und der UdSSR kurz vor dem Kollaps erkennen können, gibt es viele Szenarien, in denen Vorräte für einige Tage äußerst sinnvoll sind. So hat das “Schneechaos” (d.h. der Winter) in Luxemburg vor einem Jahr beinahe zu Engpässen in der Versorgung mit Mineralölprodukten geführt. Der zuständige Minister sprach später davon, dass die Erdölvorräte nur noch für einen Tag gereicht hätten.

Falls man hauptsächlich Sachen kauft, die ohnehin regelmäßig konsumiert werden, verursacht eine vernünftige Bevorratung zudem fast keine zusätzlichen Kosten: Nach dem FEFO-Prinzip (First Expired – First Out) verbrauchen Sie einfach zuerst die Vorräte, die als nächste verfallen würden und verschaffen sich so einen Puffer von einigen Tagen oder Wochen (oder meinetwegen auch Monaten).

Was spricht also dagegen? Die Eintrittswahrscheinlichkeit von Katastrophen steigt nicht an, nur weil Sie sich darauf vorbereiten*. Andererseits werden Sie sich im Ernstfall ziemlich ärgern, wenn Sie selbst die einfachsten Vorbereitungsmaßnahmen unterlassen haben.


*Ausnahme: Bank Run, aber bei der Zahl der Leser meines Blogs droht hier keine Gefahr.


Update / Lesetipp 16.03.2012: Europas Rendezvous mit dem Kollaps

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